vom 30.03.2010 bis zum 18.04.2010
Abtei Neumünster, Cloître, 28 rue Münster 2160 Luxemburg

Geteilte Chroniken oder Auf den Spuren des ehemaligen französischen Kolonialreichs

Im Rahmen von Ansichtssache - Migranten in Europa
Geteilte Chroniken oder Auf den Spuren des ehemaligen französischen Kolonialreichs

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Geteilte Chroniken oder Auf den Spuren des ehemaligen französischen Kolonialreichs

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Von Dienstag, 30.03.2010 bis Sonntag, 18.04.2010

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Abtei Neumünster, Cloître

Eine Ausstellung von Surface sensible

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Unsere westeuropäische Gesellschaft neigt seit langem dazu, die Augen vor ihrer kolonialen Vergangenheit zu verschließen. Heute – mit dem Abstand von beinahe fünfzig Jahren – scheint es an der Zeit, diese Epoche mit der entsprechenden Objektivität aufzuarbeiten. 
Um eine historische Herangehensweise handelt es sich weniger. Vielmehr geht es um eine behutsame künstlerische Auseinandersetzung, die zu Reflexion und kulturellem Austausch einladen soll.
Es scheint von aktuellem Interesse sich mit den Spuren der kollektiven Erinnerung in den ehemaligen französischen Kolonien auseinanderzusetzen. Ein derartiges Projekt kann natürlich nicht die Gesamtheit der früheren Kolonien einbeziehen. Unser Augenmerk richtet sich deshalb auf Westafrika (Frédéric Cornu), den Maghreb (Aziz Chouaki und Eric Didym), Südostasien (Françoise Saur) sowie Madagaskar (Daniel Denise)… 
Eines der Ziele ist es, Erinnerung zu erzeugen oder wenigstens zu der wichtigen und sozusagen unterirdischen Erinnerungsarbeit beizutragen, aus der sich das kollektive Gedächtnis speist, um so zu helfen einige der gängigen Vorurteile aus den Köpfen zu verbannen.

Künstler: Aziz Chouaki, Eric Didym, Frédéric Cornu, Daniel Denise, Françoise Saur.

Eric Didym, 1960 in Nancy geboren, ist freier Fotograf. Er lebt und arbeitet in Malzéville, Lothringen. Auf seinen Reisen rund um die Welt entwickelte sich sein Interesse für Fotografie. Seit 1999 entstehen im Rahmen zahlreicher Arbeitsaufenthalte und Artists in Residence-Programmen im In- und Ausland Fotografieprojekte an den verschiedensten Orten. Diese Aufenthalte sensibilisierten ihn für den Austausch und die Begegnung mit anderen Künstlern. 2003 lernte er auf diese Weise den Schriftsteller Aziz Chouaki in Bar-le-Duc kennen. Das Projekt Geteilte Chroniken stellte nicht die erste Zusammenarbeit des Fotografen mit dem Verein Surface Sensible dar: Frühere Projekte sind 2004 in Polen (Zakopane, Krakau) und 2007 im Rahmen von „Luxemburg und Großregion, Kulturhauptstadt Europas 2007“ entstanden.I

Aziz Chouaki wurde in Algerien geboren und lebt seit 1991 in Frankreich. Bekannt geworden ist der Dramaturg, Romanautor und Musiker dort durch das Stück „Die Orangen“, das bis heute vielfach aufgeführt wurde. Chouakis literarische Texte sind obwohl klassisch durch die gesprochene, urbane Sprache geprägt. Seine Romane und Theaterstücke zeichnen sich zudem durch einen besonderen, zynischen Blick auf den Zustand der Welt aus. Chouaki feilt an der Form, alles Lebendige bearbeitend und dabei stets auf der Suche nach dem humoristischen Kern des Dramas. Seine Theaterstücke werden in Frankreich regelmäßig inszeniert.

Françoise Saur, 1949 in Algier geboren, studierte Fotografie in Paris und Essen. Zahlreiche Projekte, darunter Femmes du Gourara („Frauen aus Gourara“) ab 2000 und Petits contes algériens („Algerische Märchen“) im Jahr 2004, führten sie in ihr Geburtsland zurück. Mit der Unterstützung von Surface Sensible hielt sie sich im Herbst 2008 im Rahmen eines Kunstprojektes in Laos auf. Ihre Fotografien befinden sich unter anderem in den Sammlungen der Bibliothèque Nationale und der Cité Nationale de l’Histoire de l’Immigration, beide in Paris, sowie der 
Fondation Nationale de la Photographie in Lyon. Françoise Saur lebt und arbeitet in Wintzenheim im Elsass.

Der Künstler Daniel Denise, 1955 geboren, lebt und arbeitet in Nancy, wo seine Werke in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen gezeigt wurden. Ab 1999 entwickelte er das Projekt La terre du Monde („Erde der Welt“), eine Sammlung mit Erdproben aus aller Welt, die einer poetischen Suche nach Ursprung und Heimaterde gleichkommt. Erstmals wurde die Arbeit 2005 im Rahmen der Ausstellung Stanislas Urbi et Orbi gezeigt. Im Zentrum dieses Ausstellungsprojektes stand der Stanislas-Platz in Nancy, wobei die Verbundenheit der „Nancéiennes“ und „Nancéiens“ gegenüber ihrer Heimatstadt zum Ausdruck kam. Auch die Arbeit Portrait d’une ville („Porträt einer Stadt“) war eng mit der Heimatstadt des Künstlers verbunden. Es handelte sich um die Installation eines Fotostudios, die eine Serie mit mehr als 1600 Portraits von Menschen aus Nancy entstehen ließ.

Der Fotograf Frédéric Cornu, Jahrgang 1959, lebt und arbeitet in Lille. Seit 1989 wurden seine fotografischen Arbeiten auf vielen Einzelausstellungen, vor allem in Frankreich präsentiert. Dazu gehörten auch die jüngsten Werkserien Boîtes, Anti-Stars und Balnéaires. Frédéric Cornu hat auch an Gruppenausstellungen auf der ganzen Welt teilgenommen. Seine letzte Arbeit L’Express Dakar – Bamako ist Teil der von Surface Sensible initiierten Ausstellung Geteilte Chroniken. Fotografien von Cornu sind unter anderem in den Sammlungen des Fonds National d’Art Contemporain in Paris, des Forum de l’Image in Toulouse und des Musée de l’Elysée im schweizerischen Lausanne zu finden.

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Organisiert vom IPW in Zusammenarbeit mit Surface sensible und dem CCRN

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