vom 14.10.2013 bis zum 15.10.2013

Grenzen ins Wanken bringen. Diderot und das 18. Jahrhundert

Internationales Kolloquium anlässlich der Feierlichkeiten zum 300. Geburtstag Denis Diderots
Grenzen ins Wanken bringen. Diderot und das 18. Jahrhundert

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Grenzen ins Wanken bringen. Diderot und das 18. Jahrhundert

Internationales Kolloquium

14. – 15. Oktober 2013

 In französischer Sprache Sprache

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Anlässlich der Feierlichkeiten zum 300. Geburtstag Denis Diderots im Jahr 2013 hat es sich das Institut Pierre Werner (Luxemburg) zur Aufgabe gemacht, ein vor allem für junge Forscher bestimmtes Kolloquium zu organisieren.

 

Das Ziehen von Grenzen zwischen Gebieten sowohl als auch Individuen hat seit jeher dazu gedient, das Denkbare vom Undenkbaren zu trennen, Verbote jeglicher Art ebenso wie ein von allen anderen sich abhebendes Kollektivgedächtnis zu schaffen (Jan Assman). In jüngerer Zeit hat der Begriff der Grenze als bevorzugter Gegenstand auf dem Gebiet des theoretischen Denkens (Homi Babha) Einzug gehalten: Rund zwanzig Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer und der Öffnung der Grenzen des Ostblocks sind in einer Zeit der Globalisierung und der geographischen Mobilität Demarkationslinien welcher Art auch immer mehr als suspekt geworden. Ihr willkürlicher Charakter ist zudem sowohl von der linguistischen wie auch von der topographischen Wende entlarvt worden.

 

In diesem Zusammenhang ist das Nachdenken über den Begriff der Grenze, welcher sowohl auf den Gebieten der Soziologie, der Philosophie wie auch der Literaturwissenschaft bis zum heutigen Tag überleben konnte, erneut in den Fokus der Aufmerksamkeit getreten.

 

Indem sie dem Begriff der Grenze als grundlegender Kategorie des menschlichen Denkens am Scheideweg zwischen Kultur und Kognition Anerkennung zollen, ist es auch den Studien zur Literatur des 18. Jhs. gelungen, ihre Forschungsschwerpunkte zu den Rändern hin zu erweitern. Während das „Forum Junge Romanistik“ sich im Jahr 2009 um das Thema „Grenzgänger und Exzentriker“ herum versammelte und den Begriff der Transgression in den Fokus des Interesses rücken konnte, hat die Aufklärungsforschung in ihren jüngeren Publikationen Vorgänge des Abweichens und der Marginalisierung berücksichtigt (Didier Masseau (Hg.), Les marges des Lumières françaises (1759-1789), 2004 ; Stéphanie Genand, Claudine Poulouin (Hg.), Parcours dissidents au XVIIIe siècle. La marge et l’écart, 2011). Über die Neubewertung der ideologischen, politischen und ästhetischen Grenzen hinaus hat sich das 18. Jh. ebenfalls für die räumlichen Demarkationslinien interessiert: So entwickelte es die Begrifflichkeiten des Weltbürgers, des Universalismus und auch des Kosmopolitismus, welche allesamt gleichbedeutend sind mit der Abwesenheit jeglicher Grenzen, eben jenem Ideal, welchem so manche Galionsfigur der Aufklärung, wie Casanova, Mozart oder auch der Prince de Ligne, nachzueifern nicht müde wurde, und das, wie wir wissen, gleichzeitig das ideelle Fundament der Europäischen Union bereitstellt.

 

Unter der geistigen Führerschaft Diderots, der als der subversivste unter den Philosophen angesehen werden kann, hat sich das Kolloquium zum Ziel gesetzt, über die Begrifflichkeiten von Grenze und Grenzüberschreitung nachzudenken. Unter der Feder des „Philosophen“ scheinen diese nachhaltig ins Schwanken zu geraten, um sich gegenseitig zu kontaminieren. In der „Encyclopédie“ löst sich der alte Menschheitstraum, die Welt ein für allemal begrifflich aufteilen und beschreiben zu können, buchstäblich in Luft auf und zwingt der Sprache ebenso ungenaue wie zeitlich festgelegte Grenzen auf. Als regelrechter Grenzgänger, der auf geographischen, ideologischen wie auch ästhetischen Pfaden wandelt, kann Diderot ganz ohne Zweifel als jener Denker des 18. Jhs. gelten, welcher am meisten unser Denken anzuregen in der Lage ist.

 

Gleichzeitig aber geht es darum, die tiefe Ambivalenz, welche Grenzen jeglicher Art kennzeichnet, nicht aus den Augen zu verlieren. Grenzen, welche uns in erster Linie in der Gestalt von Spannungsfeldern, welche, dadurch, dass ihnen primär eine geographische Bedeutung zukommt, in immer stärker werdendem Masse zu Deutungsmustern werden, die nicht aufhören, zwischen Integration einerseits und Ausschluss andererseits hin und her zu wechseln. Obwohl sie Trennungen herbeiführen, gelingt es ihnen dennoch, Überschneidungsräume zu schaffen: Im Spannungsfeld zwischen dem Begehren nach Einheit und dem Postulat der Vielfältigkeit erlaubt das Überschreiten von Grenzen, einerseits Trennungslinien aufzuheben und andererseits Überschneidungspunkte in Frage zu stellen.

 

Folgende Denkrichtungen sind vorstellbar, wobei diese Liste keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt:

–           sprachliche Grenzen: der deutsche Diderot , Diderot als Übersetzer

–           ästhetische Grenzen und Gattungsgrenzen: Umwandlung von Gattungen

–          biologische und sexuelle Grenzen : Die Frau als Monstrum des Mannes, der Mann als

……….Monstrum der Frau, das Androgyne, das Hybride

–           persönliche Grenzen : ich, er, wir, Identität und Alterität

–           geographische Grenzen : Kosmopolitismus und Exotismus, Reisen

–           Grenzgänger im 18. Jahrhundert

–           Mobilität und Stillstand

–           Kontinuität und Wandel, Mischformen

 

 

Mit der Wahl Luxemburgs zum Standort des Kolloquiums, setzen sich die Veranstalter zum Ziel, ein geistig-kulturelles Austausch-Netzwerk aus der Taufe zu heben, welches, wie kein anderes vor ihm, dazu ausersehen scheint, kulturelle Grenzen hinter sich zu lassen. In dieser Hinsicht befindet sich das im Jahre 2003 auf Initiative der französischen, deutschen und luxemburgischen Regierung gegründete „Institut Pierre Werner“ auf einer Wellenlänge mit den Zielsetzungen des Kolloquiums, dem es vor allem darum geht, eine Dynamik des Denkens durch geistigen Austausch herbeizuführen, ohne dabei freilich auf die Förderung der Forschung zwischen den teilnehmenden europäischen Staaten in der Tradition des vielbeschworenen „Geistes von Colpach“, welcher stets eine Entfaltung des europäischen Bürgersinns verfolgt hat, verzichten zu wollen.

Teilnehmer

Prof. Dr. Jean-Christophe Abramovici, Cécile Alvarez, Jean-Claude Bonnet, Juliette Fabre, Marilina Gianico, Prof. Dr. Andreas Gelz, Linda Gil, Rachel Jacobs, Irina Okuneva, Adrien Paschoud, Elodie Ripoll, Olivier Ritz, Christof Schöch, Charles Vincent, Dr. Caroline Warmann und Stéphane Zékian.

Mehr Informationen zum Programm: www.ipw.lu

Presseschau

13.12.2013 – Tageblatt

17.12.2013 – Tageblatt

Veranstalter

Veranstaltet vom Institut Pierre Werner,

Prof. Dr. Michel Delon, Professor für französische Literatur an der Université Paris-Sorbonne,

Michèle Vallenthini, Doktorandin an der Université Paris-Sorbonne und der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg,

Charles Vincent, Doktor für französische Literatur an der Université Paris-Sorbonne und Lehrer an der Collége universitaire français in Sankt-Petersburg (Russland),

und mit Unterstützung von der Anwaltskanzlei Arsène Kronshagen sowie CCRN.

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