08.02.2017

Gaston Carré

Gaston Carré

Gaston Carré wurde in Frankreich geboren. Sein Vater ist Franzose, seine Mutter Deutsche. Nachdem er an der Universität Straßburg in klinischer Psychologie und Psychopathologie promoviert wurde, unterrichtete er Französisch und Philosophie in Frankreich. 1983 kam er nach Luxemburg und arbeitete zunächst als Psychologe in der Marketingabteilung von Ferrero. Seit 1989 arbeitete er auch als Journalist, schrieb zunächst für das Lëtzebuerger Journal (1989-1991), dann für d’Lëtzebuerger Land (1993-2000). 1992 war er ein Jahr lang als Berater bei der Europäischen Kommission tätig. Von 2001 bis 2004 schrieb er für die Tageszeitung La Voix du Luxembourg, bevor er 2005 zum Luxemburger Wort wechselte.

In erster Linie behandelt Gaston Carré psychologische Themen. Von ihm stammen zwei Referenzwerke über Suchtkrankheiten: „Repères cliniques et théoriques pour une approche de l’héroïnomanie“ (1985; etwa: „Klinische und theoretische Orientierungspunkte für eine Annäherung an die Heroinsucht“) und „Toxicomanie“ (1991; etwa: „Die Drogensucht“). Er trug aber auch zu einer Studie über die Integration und Assimilation der Portugiesen im Großherzogtum Luxemburg bei (1987) und verfasste eine Chronik der Entwicklung psychiatrischer Einrichtungen in Luxemburg für den Lëtzebuerger Almanach vum Joerhonnert (1999).

Gaston Carré arbeitet ferner mit bildenden Künstlern und schreibt Beiträge über Kunst. Er ist Autor bzw. Koautor von Studien über die Maler Guy Michels (2009) und Charly Reinertz (2011), und er verfasste die Texte für den Katalog zur Ausstellung „Pompes à essence 1980-1990“ (Tankstellen 1980-1990) von Michel Medinger.

In „Un accord en souffrance“ („Einverständnis im Leiden“), ausgezeichnet im Jahr 2000 beim Concours Libertés, präsentiert Gaston Carré die fiktive Biografie von Friedemann Bach, den die Bekanntheit des Vaters Johann Sebastian erdrückt. Er analysiert die psychologischen Gründe für den Misserfolg des Sohnes. „Figures de la névrose ordinaire“ („Figuren der alltäglichen Neurose“) ist eine Sammlung von Reflexionen und Beobachtungen, unter anderem über Luxemburg, die unter dem Pseudonym Saint-Drome regelmäßig in der Voix du Luxembourg veröffentlicht wurden. In „Retour à Jajouka“ („Rückkehr nach Jajouka“), einer Mischung aus Reisebericht, literarischem Essay und Biografie, lässt Carré den Erzähler in Marokko den Spuren Brian Jones, des Gründers der Rolling Stones, folgen.

Der Roman „Retour en Barbarie“ („Rückkehr zur Unmenschlichkeit“) zeigt uns zwei Freunde, Söhne zweier ebenfalls seit langen Jahren befreundeter Männer, die nach Syrien aufbrechen, um für den IS zu kämpfen. Der Erzähler, einer der Väter, aber auch sein Umfeld sehen sich konfrontiert mit zahlreichen drängenden Fragen, sowohl was die Faszination angeht, die der IS und dessen Grausamkeiten auf die Jungen ausüben, die Werte, für die diese bereit sind, sich einzusetzen und zu kämpfen, aber auch was die Überzeugungen, Kämpfe und Erfahrungen der Väter in deren eigener Jugend angeht. Es geht mithin um die Frage, was die Väter machen können, um ihre Söhne nach Hause zurückzuholen. Reisen nach Indien und in den Orient, die Suche nach philosophischen und pazifistischen Überzeugungen, Rockmusik und Drogenexperimente – das waren Elemente ihrer eigenen Rebellion gegen die Eltern. In den Handlungen ihrer Söhne, die nun ihrerseits das elterliche Band zu trennen versuchen, erkennen sie solche rebellischen Elemente wieder.

Gaston Carré verfasste zahlreiche Literatur- und Musikkritiken im Luxemburger Wort, in La Voix du Luxembourg und ihrer Beilage Lesezeit – Lectures pour tous. Einige seiner eigenen literarischen Texte und Essays erschienen ebenfalls in diesen Zeitungen sowie in den Cahiers luxembourgeois, d’Lëtzebuerger Land, Luxemburger Marienkalender und nos cahiers sowie in den Anthologien „Intercity“ (LSV, 1995) und „E Buch am Zuch“ (2004). 1992 wurde die Erzählung „Les élucubrations d’Al Mustafa le Bédouin“ („Die Hirngespinste von Al Mustafa, dem Beduinen“)  beim nationalen Literaturwettbewerb ausgezeichnet.

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