09.09.2011 um 17.30

Auditorium du Cité (3, rue Genistre, Luxembourg-Ville)

Die voyeuristische Gesellschaft?

Organisiert vom IPW und der Galerie Clairefontaine mit Unterstützung des Cercle Cité

Die voyeuristische Gesellschaft?

Überwachungskameras, Google Street View, Handykameras, Paparazzi – ununterbrochen werden Bilder aufgenommen ohne Zustimmung der Abgebildeten. Auf Facebook, Twitter, YouTube und/oder im Reality-TV werden diese verbreitet. Dies wirft Fragen über die Rechte von Individuen, über das Thema Sicherheit und schließlich über unsere gesamte Gesellschaft auf: Welchen Einfluss hat dieser Mangel an Privatsphäre auf unsere Gesellschaft? Sind wir eine Gesellschaft der Voyeure und Exhibitionisten? Und wie greifen Künstler diesen Aspekt der Gesellschaft auf?

Traditionellerweise wird die Allgegenwärtigkeit von Kameras mit sozialer Kontrolle und einem totalitären Staat verbunden, wie etwa in George Orwells „1984“. Aber können wir diese Sichtweise in unserer Welt, in der die Macht des Staates immer mehr durch private Konzerne übernommen wird, noch aufrechterhalten? Google und Facebook sind ja keine Staaten; genauso wenig wie Zeitungen, die Fotos von Paparazzi veröffentlichen. Bewegen wir uns in Richtung einer „Diktatur der Konzerne“, in der private multinationale Firmen Big Brother ersetzen würden? Oder führt uns diese gesellschaftliche Entwicklung zu einer aktiveren Rolle des Bürgers, sodass jeder bei der Verbreitung von Informationen eine Rolle spielen könnte?

 

Bei dieser Podiumsdiskussion, moderiert von Christophe Langenbrink, Redakteur beim Luxemburger Wort, wurde über diese unterschiedlichen Aspekte mit Medienexperten (u.a. Markus Hartmann, Andrea Holzherr und Duncan Roberts), Soziologen (u.a. Prof. Kurt Imhof und Dr. Nils Zurawski) und Studenten verschiedener europäischer Staaten diskutiert.

Teilnehmer:

Markus Hartmann, international publishing director, Programmleitung, Hatje Cantz Verlag.

Andréa Holzherr lebt und arbeitet in Paris. Sie studiert Kunstgeschichte und Kulturmanagement an der Ecole du Louvre sowie an der Sorbonne in Paris. Zwischen 1996 und 2001 wirkt sie als Kuratorin in der Maison Européenne de la Photographie. Sie ist eine freiberufliche Kuratorin, welche seit 2003 ebenfalls die künstlerische Leitung der Magnum Photos Genossenschaft ausübt. Bei den Photomeetings 2011 leitet sie das Workshop „Paparazzi“.

Kurt Imhof, geb. 1956, ist ein Schweizer Soziologe und Publizistikwissenschaftler der Universität Zürich. Dort leitet er den Forschungsbereich Öffentlichkeit und Gesellschaft. Von 1981 bis 1986 studierte er Geschichte, Soziologie und Philosophie an der Universität Zürich. Seine Dissertation « Diskontinuität der Moderne » und Promotion im Fach Geschichte schloss er im Februar 1989 ab. Seine Habilitation aus dem Jahr 1995 im Fach Soziologie trägt den Titel « Medienereignisse als Indikatoren sozialen Wandels ». Öffentlichkeits- und Mediensoziologie, Gesellschaftstheorie, Soziologie sozialen Wandels und Minderheitensoziologie zählen zu seinen Schwerpunkten. U.a. veröffentlichte er 2008 in der Neuen Zürcher Zeitung einen Artikel mit dem Titel « Als die Privatsphäre verloren ging. Die Gefährdung der Öffentlichkeit durch entbettete Medien ».

Christophe Langenbrink wurde 1969 in Sélestat im Elsass geboren. Er wuchs in Karlsruhe auf, wo er seine gesammte Schulzeit verbrachte. Er besitzt die deutsche und die französische Staatsbürgerschaft. Nach seinem Studium der Politikwissenschaften, der interkulturellen Kommunikation und der Romanistik in Saarbrücken und Quebec übernahm er bis 2004 die Stelle des Generalsekretärs einer Nichtregierungsorganisation, die Fédération internationale der Maison de l’Europe (FIME). Berufsbegleitend absolvierte er ein MBA am Europa Institut der Universität des Saarlandes. Zur Zeit arbeitet er als Redakteur und Journalist beim Luxemburger Wort mit Schwerpunkt auf internationale Politik und Großregion.

Duncan Roberts ist Journalist beim City Magazine.

Nils Zurawski, geboren 1968, Studium der Soziologie, Ethnologie und Geographie in Münster, Magister Artium 1994 (Ethnizität und Migration), Dr. phil 1999 (Virutelle Ethnizität. Studien zu Identität, Kultur und Internet), danach verschiedene Forschungsprojekte im In- und Ausland (Videoüberwachung, Kundenkarten, Sicherheitsforschung, cognitive mapping und Überwachung). 2000-2001 Feldforschung in Nordirland, seit 2001 Arbeit für die Online Redaktion des NDR u.a für das Spezielangebot zum 20-jährigen Fall der Mauer 2009 (u..a. zu ehemaligen Stasi-Gefangenen). Von 2010 bis 2012 Vertretungprofessor am Fachbereich Sozialwissenschaften der Universität Hamburg, Arbeitsbereich für soziale Kontrolle und Kriminologie. Forschungsinteressen: Überwachung & Kontrolle, Konsum, Identität, Stadt- & Raumforschung, Anthropologie (spezielle der Überwachung), Gewalt, Konflikt & Frieden.

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Beitrag von Nils Zurawski

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Wort vom 12.9.11



 

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