Die grenzüberschreitende Zusammenarbeit in der Großregion – Anna Franziskus

Die grenzüberschreitende Zusammenarbeit in der Großregion – Anna Franziskus

Im weiteren Verlauf berichtete Anne Franziskus, Doktorandin an der Universität Luxemburg über ihre Arbeit, welche sich mit dem Sprachgebrauch der Grenzgänger am Arbeitsplatz beschäftigt. Bei ihren Untersuchungen der sprachlichen Interaktion von Grenzgängern am Arbeitsplatz sei auffällig gewesen, dass diese sehr stark vom Arbeitsplatz abhängig sind. So ist der Supermarkt aufgrund der unterschiedlichen Nationalität der Verkäufer/innen ein vielsprachiger Arbeitsplatz, während im Vertriebsunternehmen sehr viele Luxemburger und Franzosen arbeiten und meist die französische Sprache benutzt wird. DieArbeitnehmer eines  beteiligten  ITUnternehmens  waren hingegen selten luxemburgischer Nationalität – die meisten kamen aus Frankreich und Belgien. Hier wurde folglich meist Französisch, aufgrund der Fachsprache aber auch häufig Englisch gesprochen. Die Hauptresultate der Studie lassen sich folgendermaßen zusammenfassen: Grenzgänger bedienen sich zur Kommunikation demzufolge verschiedener Strategien. Meist passt man sich am Arbeitsplatz demjenigen an, der eine Sprache nur geringfügig beherrscht. Daher sprechen Luxemburger oft die Sprache des Grenzgängers. Außerdem kann es bei der Kommunikation zwischen Personen unterschiedlicher Nationalität zur Findung einer „dritten“ Sprache kommen. Das tritt insbesondere bei regelmäßigem Aufeinandertreffen einer bestimmten Personenkonstellation auf. Die dritte Strategie ist das Hinzuziehen eines Kollegen, der die Rolle des Übersetzers einnimmt.

 Des Weiteren grüßen sich Grenzgänger häufig auf Luxemburgisch und benutzen luxemburgische Schlüsselwörter, die häufig am Arbeitsplatz verwendet werden. Es entsteht also eine Anpassung an die Arbeitsregion hinsichtlich der täglichen Routine in der Kommunikation. Zur Vereinfachung der Verständigung sprechen Personen unterschiedlicher Nationalitäten in ihrer Muttersprache miteinander, wobei das passive Sprachverständnis des Gesprächspartners hierbei Voraussetzung ist. Grenzgänger bedienten sich oft des Humors, um unzureichende Sprachkenntnisse zu überspielen und Sprachbarrieren zu überwinden. Die Doktorandin hebt abschließend hervor, dass die Kommunikation von Grenzgängern sehr viel komplexer ist als das geläufige Vorurteil des einsprachigen Franzosen, der von jedem Französischkenntnisse erwartet. Die wichtigste Sprache in Luxemburg könne man, so Anne Franziskus auf Nachfragen hin, nicht bestimmen. Luxemburgisch und Französisch werden  allerdings“am häufigsten gesprochen. Interessant sei auch, so die Doktorandin, dass sich mittlerweile immer mehr Grenzgänger das Luxemburgische aneignen. Bei der Kommunikation zähle häufig mehr die Anstrengung, die man unternimmt, um dem anderen etwas mitzuteilen, als das fehlerfreie Sprechen einer Sprache.

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