Beitrag von Christian Mosar
In ihrer ersten Frage bat Diane Krüger die Teilnehmer der Diskussionsrunde darzulegen, welche Funktion Kunst ihrer Meinung nach in der Demokratie hat. Laut Christian Mosar hat Kunst an sich keine Funktion in der Demokratie. Demokratie kann zwar eine Funktion in der Kunst haben, aber nicht umgekehrt.
Um die gestellte Frage näher zu erläutern, stellte Christian Mosar einige Bilder vor, die seiner Meinung nach eine Antwort auf Frage, was das Verhältnis zwischen Kunst und Demokratie ist, geben. Ein erstes Bild ist „Banque de Tolérance“ von Filip Markiewicz, einem luxemburgischen Künstler. Das Bild, dessen Titel offensichtlich eine Anlehnung an „Banque de France“ ist, stellt einen Geldschein dar, auf dem unter anderem Persönlichkeiten wie Liliane Bettencourt und der Direktor der Nationalbank zu sehen sind.
Für Mosar sind die Fragen „Was ist Kunst?“ und „Wo ist Kunst?“ überholt. Die entscheidende Frage ist, was künstlerische Aktivität ist. Und hier bietet das Bild von Markiewicz, das übrigens handwerklich gesehen sehr traditionell angefertigt ist, eine Antwort. Künstlerische Aktivität ist eine politische und soziale Positionierung des Künstlers. Die Geschichte des zweiten Bildes wirft die laut Mosar inzwischen ebenfalls überholte Frage auf, wo Kunst hingehört. Auf „the Marie-Adelaide Complex“ von Steve Jakobs ist ein Familienfoto der großherzoglichen Familie aus dem Jahr 1964 zu sehen, auf dem die Mitglieder Mickey-Maus-Ohren haben. Das Bild sollte in Brüssel ausgestellt werden, doch der damalige Botschafter Luxemburgs in Belgien war jedoch der Meinung, dass es nicht angemessen sei, dieses Bild in einem solchen Rahmen zu zeigen und forderte so dessen Entfernung, woraufhin der Künstler alle Bilder der Ausstellung abhängen ließ.
Ein drittes Kunstwerk, das etwas über das Verhältnis zwischen Kunst und Demokratie aussagt, ist „Der Bevölkerung“ von Hans Haacke. Der Titel ist in Anlehnung an die Inschrift „Dem Deutschen Volke“ oberhalb des Bundestages gewählt. Es handelt sich um ein interaktives Kunstwerk im deutschen Reichstagsgebäude. Jeder Abgeordnete des deutschen Bundestages kann dort Erde aus seiner Heimatregion hinterlegen.