23.10.2010

(Im)migration in Europa: Chance und Notwendigkeit

(Im)migration in Europa: Chance und Notwendigkeit

(Im)migration in Europa: Chance und Notwendigkeit

Im Rahmen der „Rencontres Européennes de Luxembourg 2010“

Samstag, 23. Oktober 2010
09:00 Uhr
Abtei Neumünster, Raum Edmond Dune, Luxembourg–Grund
Eintritt frei
In Deutsch und Französisch mit Simultanübersetzung

 

Themen: • Motivationen, Entwicklungen, Notwendigkeit der Migrationsbewegungen

• Politiken, Wahrnehmung der Immigranten, Integrationsmechanismen

Die weltweiten Wanderungsbewegungen betreffen fast 950 Millionen Menschen. Der Anteil der Personen, die aus einem armen in ein reiches Land einwandern, bleibt jedoch relativ gering. So ist in den vergangenen 50 Jahren der Anteil von internationalen Migranten an der Weltbevölkerung relativ stabil bei etwa 3 % geblieben, obwohl es in den letzten Jahren Faktoren gab, die Migrationsströme begünstigten. Im Allgemeinen hat die Auswanderung für Migranten positive Auswirkungen. Mit speziellen Schwierigkeiten konfrontiert sind jedoch die 14 Millionen Menschen, die aufgrund einer unsicheren Lage oder Konflikten aus ihrer Heimat vertrieben worden sind. Sie sind häufig Opfer von Gewalt und sexuellen Misshandlungen, insbesondere die Frauen. Nur eine halbe Million von ihnen ersuchen um Asyl in einem entwickelten Land. Dabei können die Menschen, die aus armen Ländern auswandern, am meisten von der Migration profitieren. Paradoxerweise sind sie am wenigsten mobil. So wandert weniger als ein Prozent der Afrikaner nach Europa aus.

Welche Gründe veranlassen jemanden, seinen Heimatort zu verlassen? Sind es wirtschaftliche, politische, sicherheitsbedingte, klimatische oder demografische Motive? Gelingt es den Migranten, ihre Ziele im Einwanderungsland zu verwirklichen? Ziehen sie eine Rückkehr in Betracht? Sind die vergangenen, derzeitigen und geplanten europäischen Politiken migrationsfördernd? Soll man die Ausreise der höchsten soziokulturellen Schichten forcieren, mit dem Risiko, das Heimatland ärmer zu machen? Zuweilen ist die Immigration eine politische Waffe, die einige Staaten benutzen, um politischen Druck auf andere auszuüben. Für einige ist sie ein Mittel, um Geld auf Kosten der Armen zu verdienen. Wie soll man gegen den Migrantenhandel vorgehen? Europa, lange Zeit ein Kontinent der Emigration, ist ein Ort der Immigration geworden. Auch innerhalb Europas finden Migrationsbewegungen statt. Wie ergeht es den Migranten in den Aufnahmeländern? Wie werden sie integriert? Dieser Aspekt wurde beim Kolloquium „Geteilte Ansichten: Die Migranten in Europa“ des Instituts Pierre Werner im April 2010 im Centre Culturel de Rencontre Abbaye de Neumünster erörtert.

Die europäische Bevölkerung macht 11 % der Weltbevölkerung aus, mit rückläufiger Tendenz. Immigration wird unausweichlich. Wie kann Immigration zu einer Win-Win-Situation werden? Ist diese Immigration für Europa eine Belastung, eine Notwendigkeit oder eine Chance? Die demografische Entwicklung in Europa schafft einen steigenden Bedarf an Arbeitskräften. Ist es deshalb von Nutzen, Immigranten mit hohem Bildungs- und Kompetenzniveau den Vorrang zu geben zu Lasten derjenigen mit geringer Qualifikation? Was die Letzteren anbetrifft, so werden temporäre oder sogar illegale Formen der Immigration begünstigt oder toleriert. Ist diese Art von Politik nicht von Nachteil für alle drei Parteien: für das Heimatland, für die Migranten und vor allem für das Aufnahmeland?

Aber ist es legitim, die Immigration allein aus wirtschaftlicher Sicht zu betrachten? Ist das Recht, sein Land zu verlassen, nicht ein fundamentales Menschenrecht? Aufgrund einer bestimmten irrationalen Xenophobie, die häufig durch kulturelle oder religiöse Begründungen maskiert wird, sind die Bevölkerungen in den Aufnahmeländern oft zurückhaltend in Bezug auf dieses Phänomen. Und dennoch stellt man fest, dass die Kontakte zwischen Menschen fremder Kulturen eine gegenseitige Bereicherung darstellen. Das United Nations Development Programme (UNDP) zeigt in seinem Bericht von 2009, dass die internationale Migration für die menschliche Entwicklung förderlich ist. Ganz egal, ob Integration nun als erforderlich oder wünschenswert definiert wird – ohne gegenseitige Anstrengungen kann sie nicht gelingen.

Die UNO und die Europäische Union arbeiten an einem Migrationsmanagement. Welche Rolle können die Bürger spielen? Wie steuert und verwaltet man den Zufluss von häufig illegalen Migranten menschlich und gerecht im Sinne der humanistischen Werte?

Die ganze Welt und insbesondere Europa stehen vor einer komplexen Herausforderung, bei der die Lösungen oft schwierig und widersprüchlich sind.

Eröffnung: Alvin Sold, président des Rencontres européennes de Luxembourg

Abschluss: Bernard Cassaignau, membre des REL

Mässiger: Paul Danblon et Eddy Caekelberghs

Vortragsredner:

Sandrine Devaux, stellvertretende Leiterin des Institut Pierre Werner

Cheick Tidiane Diop, senegalesischer Schriftsteller, Direktor der Agentur Ethikonsult

Jean-Pierre Garson, Leiter der Abteilung “Internationale Migration” bei der OECD

François Gemenne, wissenschaftlicher Mitarbeiter (Bereich Klima und Migration) am Institut du développement durable et des relations internationales (Institut für nachhaltige Entwicklung und internationale Beziehungen)

Markus Ottersbach, Professor für Soziologie an der Fakultät für Angewandte Sozialwissenschaften der Fachhochschule Köln mit den Schwerpunkten Migration und Integration, Soziale Ungleichheit und Methoden der empirischen Sozialforschung

Azédine Lamamra, Anwalt, Experte für Migrationsrecht

Kadré Désiré Ouedraogo, Botschafter von Burkina Faso in Belgien, Premierminister a. D. von Burkina Faso

Yves Pascouau, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut d’études européeennes (Institut für Europäische Studien) an der freien Universität Brüssel (ULB)

Catherine Wihtol de Wenden, Forschungsgruppenleiterin am Centre d’études et de recherches internationales (CERI-CNRS)

 

Programm

Bericht

 

Presseschau :

Tageblatt – 25.10.2010

Le Monde – 8.12.2010

 

Organisiert von den Rencontres Européennes de Luxembourg in Partnerschaft mit dem Institut Pierre Werner

 

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