10.10.2017 um 19:00 Uhr
Abtei Neumünster, 28 rue Münster, Luxemburg-Grund

Über Monique und Claude Lévi-Strauss

Über Monique und Claude Lévi-Strauss

Über Monique und Claude Lévi-Strauss

Monique Lévi-Strauss und Emmanuelle Loyer im Gespräch mit Norbert Campagna (Universität Luxemburg)

Dienstag, 10. Oktober 2017
19:00 Uhr
Abtei Neumünster

In französischer Sprache mit Simultanübersetzung ins Deutsche

Eintritt 10 € | 5 € | 1,50 € (Kulturpass)

Tickets: www.neimenster.lu / +352 26 20 52-444

 

Dieser Abend ist der Begegnung zwischen Monique Lévi-Strauss, Witwe von Claude Lévi-Strauss (1908-2009), und Emmanuelle Loyer, Biographin des bekannten französischen Anthropologen, gewidmet. Norbert Campagna, Gastdozent an der Universität Luxemburg und Lehrer am Lycée Hubert-Clément in Esch-sur-Alzette, wird sich mit ihnen unterhalten. Monique Lévi-Strauss wird dabei über ihre Kindheit sprechen, die sie in ihrem 2014 erschienenen Buch „Une enfance dans la gueule du loup“ (Editions du Seuil) geschildert hat. Diese Autobiographie entstand nach einem Besuch in Luxemburg, der Monique Lévi-Strauss im November 2012 aufgrund einer ihrer Freundin, der Malerin und Schriftstellerin Anita Albus, gewidmeten und vom IPW organisierten Veranstaltung ins Großherzogtum führte. Bei einem gemeinsamen Abendessen erzählte Monique ihre Geschichte, woraufhin einer der Gäste ihr vorschlug, am folgenden Tag mit ihr nach Prüm zu fahren, um die Stadt zu besuchen, in der sie einen Teil ihrer Kindheit verbracht hatte. Dieser Ausflug löste bei Monique Lévi-Strauss das Bedürfnis aus zu schreiben. „Wäre ich scharfsinnig gewesen, hätte ich vorhersehen können, dass sich eines Tages eine Generation für den Alltag in Kriegszeiten interessieren wird. Das habe ich jedoch nicht bedacht und habe nicht gleich im Jahr 1945 damit begonnen, meine Erlebnisse aufzuschreiben. Als ich nach 1945 in Frankreich lebte, hat mir keiner zugehört, man wollte mit der grausigen Vergangenheit abschließen. So hat es fast siebzig Jahre gedauert, bis ich meine Erinnerungen aufschreiben und veröffentlichen konnte.“ Das Buch erschien im August 2014 beim Verlag Le Seuil in der Reihe „La Librairie du XXIe siècle“ und wurde gebührend von der französischen Kritik gelobt. „Der Bericht meiner Kindheit lässt sich wie eine Zeugenaussage lesen: es handelt sich um das Schicksal eines belgischen Kindes, Tochter einer jüdischen Mutter, das gezwungen wird, von 1939 bis 1945 im nationalsozialistischen Deutschland zu leben.“ In der Tat war es ihr Vater, der seiner Familie aufzwang, sich in Prüm niederzulassen, einer kleinen Stadt im Nordwesten von Rheinland-Pfalz, nur wenige Kilometer von den belgischen und luxemburgischen Grenzen entfernt – und somit sowohl seine Tochter Monique, ihren kleinen Bruder als auch seine Frau in Lebensgefahr brachte. Was war die Absicht des Vaters gewesen? Er wollte dort in Harmonie mit seinen eigenen pazifistischen Vorstellungen leben und hegte auch eine gewisse Bewunderung für die äußerlichen Zeichen des Regimes. Neben diesen Erinnerungen wird im weiteren Verlauf des Abends über das Leben und Werk von Moniques Ehemann Claude Lévi-Strauss, gemeinsam mit seiner Biographin Emmanuelle Loyer („Grandes biographies“, 2015 Flammarion), gesprochen.

 

Emmanuelle Loyer ist eine französische Historikerin und Preisträgerin des Prix Fémina essai 2015. Sie hat an der ENS (Ecole normale supérieure) in Fontenay-Saint-Cloud studiert, erhielt die Agrégation für Geschichte und ist Professorin für Zeitgeschichte an der Ecole Sciences Po Paris. Loyer ist insbesondere Historikerin für zeitgenössische Kulturgeschichte und betreut das Doktorandenseminar über Literatur und Sozialwissenschaften gemeinsam mit Jeanne Lazarus (CSO, Sciences Po) und Ivan Jablonka (Paris XIII).

Norbert Campagna, geboren 1963, ist ein Doktor der Philosophie mit der Ermächtigung Forschungen zu leiten. Er ist Gastdozent an der Universität Luxemburg und Lehrer im Lycée de Garçons Esch und Lycée Classique Echternach. Er ist darüber hinaus auch Vorsitzender der Ethikkommission der Robert Schuman Krankenhäuser. Er ist der Autor von 26 Büchern und erhielt eine besondere Auszeichnung (Trophée de l’Ethique) für seine Forschungen über die Ethik der Sexualität.

Organisiert vom Institut Pierre Werner mit Unterstützung von neimënster.

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