23.11.2012 um 18:30 Uhr
CarréRotondes, 1, rue de l'Aciérie, Luxemburg-Hollerich

Universelle Heimat – Literaturdinner

organisiert vom Institut Pierre Werner und dem CarréRotondes
Universelle Heimat – Literaturdinner

Universelle Heimat

Romane aus der Großregion

Freitag, 23.11.2012

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Bei diesem literarisch-kulinarischen Abend kamen Autoren aus der Großregion zusammen, um ihre neuen Werke zu präsentieren und sich auszutauschen.

Nachdem die letztjährige Auflage unter dem Titel „Tatort Großregion“ dem Kriminalroman gewidmet war (hier das Kurzvideo), standen in diesem Jahr renommierte und aufstrebende Autoren im Mittelpunkt, deren Werke einen regionalen oder gar lokalen Kontext haben, deren Handlung aber universell ist.

Zwischen den einzelnen Lesungen wurden Gerichte angeboten, die in Bezug zur Thematik des Abends standen – internationale Spezialitäten mit regionalen Zutaten und umgekehrt.

Der Abend klang dann im Stile eines literarischen Salons aus: in geselliger Atmosphäre diskutierten Autoren und Publikum bei einem Glas Wein oder Wasser auf bequemen Sitzgelegenheiten zu thematisch abgestimmter Hintergrundmusik.

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Es lasen:

Norbert Scheuer (D) aus seinem neuen Roman „Peehs Liebe“

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Peehs Liebe“ erzählt im Rückblick die Geschichte von Rosarius, der in seiner Jugend kleinwüchsig war und erst mit über zwanzig Jahren zu sprechen beginnt. Rosarius sieht die Dinge anders als gewöhnliche Menschen, sein Gehirn scheint ein unendlicher Speicher von kleinsten Wahrnehmungen und Erinnerungen zu sein. Als Kind hat er sich in Petra verliebt, die er nur „Peeh“ nennen kann. Später, als normalgroßer Erwachsener, der Sprechen gelernt hat, wird eine Liebesgeschichte daraus. Als alter Mann im Heim lässt er seiner liebevollen Pflegerin Annie gegenüber die abenteuerliche Geschichte seines Lebens Revue passieren und es ist ihm, als wäre seine Peeh endlich wieder da. „Peehs Liebe“ ist eine Geschichte über die Liebe, das Altern und das Vergessen.

„faszinierende Weltchronik aus der Eifel“ (Markus Clauer, Die Zeit)

 Große Erzählkunst ist das, (…) wie sich der Autor in seinen kleinwüchsigen und entwicklungsverzögerten Protagonisten hineinversetzt und einer Figur, die leicht als „Dorfdepp“ abzuqualifizieren wäre, zu ihrem Recht verhilft. Dabei kommt der Roman so leichthändig daher, dass sich leicht übersehen lässt, welch „komplexes Gebilde aus Erzähl- und Motivebenen“ sich darin eigentlich verbirgt. Besonders beeindruckt (die) einfühlsame Schilderung der Wahrnehmungssphäre des Protagonisten und der „zärtlichen Beobachtungskraft für Details“, die Scheuer dabei an den Tag legt. (Frankfurter Rundschau)

Eine komplex verschachtelte Geschichte, mit kunstvollen Wechseln unterschiedlicher Erzählebenen und liebevollen Figurenzeichnungen. (FAZ)

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Guy Helminger (Lux) aus „Neubrasilien“

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„Neubrasilien“ verknüpft zwei abwechselnd erzählte Handlungsstränge. Einerseits die scheiternde Auswanderungsgeschichte einer luxemburgischen Bauernfamilie nach Brasilien zwischen April 1828 und März 1831, andererseits die sich zwischen November 1999 und August 2003 abspielende, ebenfalls scheiternde Geschichte der montenegrinischen Familie Kaljevic, die in Luxemburg politisches Asyl beantragt. Helminger entwirft in diesem Roman die Geschichte des europäischen Kontinents als eine Geschichte der Migration in Vergangenheit und Gegenwart und zeigt ein differenziertes Bild von Migrationstraumata, Hoffnungen, und Freuden.

„Guy Helminger hat mit ‚Neubrasilien’ einen komplexen und interessanten Roman geschrieben (…). Wer sich (…) auf das Leseabenteuer zwischen luxemburgischer Vergangenheit und Gegenwart einlässt, wird hieraus seine eigenen Schlüsse ziehen können, nämlich dass der Begriff Heimat auch immer ein gewisses Bild seiner Vergangenheit transponiert (…)“ (Sarah Lippert, Tageblatt)

Diese Geschichte ist tief und spannend erzählt (…) es geht um Verlorenheit, um Fremdheit, um Migration (…) in der sensiblen Form, in der es geschildert wird und mit der enormen Sprachwucht von Guy Helminger bekommt man so ein feines Gespür dafür, für Migrantendasein und für das Elend, das dazugehört, dass ich dieses Buch nur wärmstens empfehlen kann. (Richard David Precht, Schweizer Literaturclub, 19. Oktober 2010)

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Armel Job (B) aus seinem Buch „Loin des mosquées“

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„Loin des mosquées“ erzählt die Geschichte einer türkischen Familie in Belgien. Als Evren um die Hand seiner Cousine Derya anhält, gerät alles aus den Fugen, weil sie die Heirat ablehnt. Aufgebracht über diese verletzende Ablehnung, suchen Evrens Eltern nach einer neuen Partie und entschieden sich für Yasemin, eine 16-jährige lebhafte und aufgeweckte anatolische Bauerntochter, die Evren kaum kennt. Eines Tages kommt dann Derya aus Deutschland unvermittelt nach Belgien und es gilt, eine Menge Geheimnisse zu lüften… Der Leser verfolgt diese Geschichte aus vier verschiedenen Perspektiven. Deryas, Evrens, der von Yasemin, und auch aus Sicht des Belgiers René, der ohne sein Zutun in die ganze Geschichte hineingezogen wird.
Verwirrend bis zum Schluss, abwechselnd mit Witz und Tiefgang erzählt, begeistert „Loin des mosquées“ die immer zahlreicher werdenden Bewunderer Armel Jobs.

Mit „Loin des mosquées“ veröffentlicht Armel Job einen sowohl sehr treffenden als auch brillanten Roman. (…) Man muss sagen, Armel Job bleibt sich mit diesem Roman treu. Oder besser gesagt, seinem stilistischen Anspruch. Ebenso folgt er weiterhin seinem feinen Gespür, seine Figuren meisterlich auszuarbeiten. (…) Armel Job liefert eine aufwühlende Erzählung über die Würde der Frau, ihre Kämpfe, aber auch über die Herausforderungen, die jeder einzelne sich selbst stellt. (…) Dieser neue Roman bewegt den Leser, indem er ihn mit auf Reisen nimmt, indem er ihn unaufhörlich zum Nachdenken anregt. Armel Job enttäuscht ganz und gar nicht! Ehrlich! (L’avenir.net)

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Aline Kiner (F) aus „Le jeu du Pendu“ (auf Deutsch erschienen unter dem Titel „Galgenmann“)

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Galgenmann“ spielt in einem ruhigen Dorf in Lothringen, geschützt vor Wind und Wetter. Aber der Schein täuscht. Die Wunden des Krieges, weit zurückreichende Hassgefühle und die Minen haben ihre Spuren hinterlassen. In einer dieser Minen findet man eines kalten Wintermorgens die Leiche eines jungen Mädchens, ein Seil gekonnt um den Körper geknotet. Am nächsten Tag entdeckt man einen seltsamen Reisighaufen auf dem Friedhof des Dorfes, an dem Ort, an dem 1944, am Tag nach der Befreiung, ein Mann erhängt worden war. Simon Dreemer und Jeanne Modover müssen nun in die Psyche und in die Erinnerungen der „gueules jaunes“, der alten, von der Geschichte gebeutelten Bergleute, vordringen. Welche Geister des Krieges oder der Minen sind zurückgekehrt, um die Jugend zu opfern?

Auffallend ist die Atmosphäre, die die Mine über die Länge des gesamten Romans verbreitet. Es liegt eine gewisse Wahrhaftigkeit in der Landschaft und in allem was mit ihr verbunden ist und in dem Eindruck den sie auf die Menschen hinterlässt. (…) Man fühlt, dass die Autorin die Gegend liebt, es ist ihre Heimat, was sie aber nicht an die große Glocke hängt, sondern was sie uns durch ihre Art, davon zu erzählen, spüren lässt. Das ist sehr schön und gleichzeitig sehr bewegend! (un polar-collectif)

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Das Menü für die kulinarische Begleitung der Lektüre:

Zum Empfang

Buchweizenblinis mit hausgemachtem „Kachkéis“ und Monschau-Senf

Brasilianischer Abstecher

Fischeintopf mit Zander, Kokosmilch und Koriander, serviert mit Reis

Ein Hauch von Belgien und Türkei

Herzhafte Waffeln mit Kalbsgeschnetzeltem à la Kebab

Nachkriegsklassiker

Landbrot mit „Vache qui Rit“ – Aufstrich

Dessert

Zuckerkuchen

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Für die thematisch passende musikalische Untermalung sorgte Hans Fellner.

Organisiert vom Institut Pierre Werner und dem CarréRotondes

 

 

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