19.11.2011 um 18.30
CarréRotondes (1, rue de l'Aciérie, Luxembourg-Hollerich)

Kriminell zulangen: Lesungen, Dinner und Filmmusik

Organisiert vom IPW in Zusammenarbeit mit dem CarréRotondes
Kriminell zulangen: Lesungen, Dinner und Filmmusik

Kriminell zulangen

Lesungen mit Gastronomie und Filmmusik

vom Institut Pierre Werner und CarréRotondes veranstaltet im Rahmen der Krimiwoche der Grossregion „Tatort Grossregion“

19. November 2011

In den CarréRotondes lasen Tullio Forgiarini (L), Wolfgang Brenner (D), Armel Job (B), Tom
Hillenbrand (D) und Marko Schank (L) Auszüge aus ihren Kriminalromanen, teils in
luxemburgischer, teils in französischer und teils in deutscher Sprache. Die Autoren situieren ihre Geschichten im regionalen Kontext.

Zwischen jederLesung wurden kulinarische Spezialitäten nach Krimiambiente umbenannt dem Publikum angeboten.

DJ Hans Fellner legte während des Abends Musik aus bekannten Krimifilmen auf.

Tullio Forgiarini: „Erfinder“ des luxemburgischen Krimis in französischer Sprache

Der als Geschichtslehrer tätige Autor Tullio Forgiarini wurde in Luxemburg
geboren. Bis auf seine letzte Veröffentlichung („Amok“) verfasste er alle seine
Romane in französischer Sprache. Ein Grund hierfür sei, dass er sich in der
luxemburgischen Schriftsprache nicht so sicher fühle wie in der französischen. Er
habe aber gemerkt, dass er das luxemburgische Publikum viel besser über dessen
Muttersprache erreichen könne. Außerdem wirke die in Luxemburg spielende
Geschichte seines Romans „Amok“ auf Luxemburgisch viel authentischer. Vor allem
seine Schüler/innen seien davon begeistert gewesen.
Forgiarini betont, dass er Romane über die sozialen Missstände in der Gesellschaft
schreibe – ganz im Sinne des französischen Verständnisses von „polar“ (Krimi).
Der kriminalistische Aspekt werde vor allem zur Erzeugung von
Spannung hinzugefügt, damit der Leser sich nicht „langweile“.


Tullio Forgiarini liest Auszüge aus La énième mort d’Ernesto Guevara de la Serna,
dit le Che (französisch) und Amok (luxemburgisch).

 

Marko Schank: „Frauen sind die besseren Mörder“

Der Luxemburger Marko Schank ist Minister für Wohnungsbau und beigeordneter
Minister für nachhaltige Entwicklung und Infrastruktur. Seit 1996 schreibt er
historische Kriminalromane, die signifikante Momente der luxemburgischen
Geschichte beleuchten. Zudem behandeln seine Romane aktuelle
gesellschaftspolitische Themen, wie zum Beispiel Frauenhandel, Rechtsextremismus
oder Studentenrevolten. Aufgrund seines Erfolges im eigenen Land, weckte er auch
im Ausland Interesse am luxemburgischen Kriminalroman.
Wichtig ist für Schank auch die Einarbeitung eines gewissen Lokalkolorits in seine
Werke. Dass Leser und Autor sich dadurch in seinen Geschichten wiederfinden,
mache den Spaßfaktor seiner Kriminalromane aus.
Den Hinweis auf die Tatsache, dass in seinen Romanen und Geschichten
hauptsächlich Frauen morden, erklärt Schank damit, dass für ihn Frauen bessere, weil
pedantischere Mörderinnen und deshalb auch bessere Krimiautorinnen seien.


Marko Schank liest aus seiner Kurzgeschichtensammlung Todesengel – 12 short
stories (deutsch).

 

Wolfgang Brenner: Ein Autor der Kontraste

Der deutsche Autor und Journalist Wolfgang Brenner lebt in Berlin und im
Hunsrück. Seit 1993 schreibt er Kriminalromane über die Großregion. Zwei seiner
Geschichten um den Kommissar Bollinger spielen an der deutsch-französischen
Grenze. Dieses Phänomen liegt dem ursprünglich aus dem Saarland stammenden
Autor besonders am Herzen. Seine durch zwei Länder beeinflusste Heimatregion
wurde in früheren Zeiten immer als etwas Sonderbares betrachtet – der interkulturelle
Enthusiasmus sei ein neues Phänomen, welches es in Brenners Kindheit nicht
gegeben habe.
Der deutsch-französische Kontrast sei aber nicht der einzige, der Brenner
interessiere. Es gehe ihm vor allem auch um die Darstellung des Gegensatzes
zwischen Stadt und Land. Bollinger, der aus einer ostdeutschen Stadt stammt, zeige
im Umgang mit den westdeutschen Provinzlern eine typisch städtische Arroganz.


Wolfgang Brenner liest Auszüge aus seinem Roman Bollinger und die Frisöse
(deutsch).

 

Armel Job: Belgien ist einen Krimi wert!

Der französischsprachige Autor belgischer Herkunft schreibt heute hauptberuflich
Romane. Seine Vorliebe für das Genre des Regionalkrimis begründet er damit, dass er
gerne über ihm bekannte Regionen schreibe. Belgische Autoren situierten ihre
Geschichten meist nach Frankreich, weil sie Belgien nicht für einen würdigen
Schauplatz ihrer Geschichten hielten. Job hingegen sei überzeugt, dass jeder Mensch
und jede Region es verdiene, dass über sie geschrieben werde.
Für seinen Roman „Tu ne jugeras point“ habe er sich sogar einem französischen „fait
divers“ (= Zeitungsmeldung) bedient und seine Geschichte hierzu nach Belgien
verlegt. Die Nachricht über eine Frau deren Kind verschwand, als sie es kurz beim
Einkauf aus den Augen ließ, habe ihn so berührt, dass er dieses Gefühl
weitertransportieren wolle. Darin liege für Job die Hauptaufgabe eines guten Autors.
Obwohl das Verbrechen in der Realität ungelöst geblieben sei, habe Job ein Ende zu
seiner Geschichte geschrieben, welches den Leser aber auch weiterhin zum
Nachdenken anregen solle.


Armel Job liest einen Auszug aus seinem Werk Tu ne jugeras point (französisch).

 

Tom Hillenbrand: Das kulinarische Krimierlebnis

Der Hamburger Tom Hillenbrand ist in Deutschland als freier Autor und freier
Journalist tätig. Mit seinem Roman „Teufelsfrucht“ hat er einen kulinarischen Krimi
geschrieben, der in Luxemburg spielt. Hier wurde das Buch auch zum Bestseller.
Hillenbrand selbst beschreibt sich als begeisterten Hobbykoch und „Foody“.
Luxemburg habe Hillenbrand als Kulisse für seine Geschichte ausgewählt, weil er
die Stadt bei einem Praktikum kennengelernt und sie ihm sehr gut gefallen habe. Der
Autor bezeichnet sie als topographisch interessant, als eine Stadt, in der man gut essen
und – trotz ihrer Überschaubarkeit – eine Art „European Dream“ leben könne.
Außerdem eigne sich Luxemburg perfekt für die Inszenierung eines Verbrechens. In
Deutschland hingegen sei seine Wahl eher auf Unverständnis gestoßen. Dort habe
man wenig Ahnung von seinem Nachbarland und Hillenbrand wolle die Stadt seinen
Landsleuten deshalb näher bringen. Dafür habe er auch aufwendige Ortsrecherchen
für seine Arbeit in Kauf genommen.


Tom Hillenbrand liest Auszüge aus seinem Roman Teufelsfrucht (deutsch).

L’Essentiel vom 18.11.11

City Magazine vom 1.12.11

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