04.10.2017 um 19:00 Uhr
Abtei Neumünster, 28 rue Münster, Luxemburg-Grund

Manfred Flügge: „Brief an einen französischen Freund“

Manfred Flügge: „Brief an einen französischen Freund“

Manfred Flügge

„Brief an einen französischen Freund“

Lesung und Gespräch

Mittwoch, 4. Oktober 2017
19:00 Uhr
Abtei Neumünster

In deutscher Sprache

Eintritt 10 € | 5 € | 1,50 € (Kulturpass)

Tickets: www.neimenster.lu / +352 26 20 52-444

In Zusammenarbeit mit der Kulturzeitschrift „Galerie“ und dem Cercle des Amis de Colpach veranstaltet das IPW einen literarischen und zugleich politischen Abend von brisanter Aktualität: Manfred Flügge, deutscher Schriftsteller und Romanist, wird sich mit Jeff Schinker, seinerseits Schriftsteller, Literaturwissenschaftler und –kritiker, unterhalten und Ausschnitte aus seinem offenen „Brief an [s]einen französischen Freund“ lesen. Bei dem Adressaten handelt es sich um eben jenen besagten Freund, den Flügge in seiner Jugend kennenlernte und der ihn die französische Kultur schätzen lehrte, den er im Laufe seines Lebens aber aus den Augen verlor und kürzlich wieder traf. Bestürzt musste er feststellen, dass aus dem freudigen und gebildeten jungen Mann inzwischen ein resignierter französischer Citoyen geworden war, der sich teils aus Überzeugung, teils aus Verdrossenheit dem Front national zugewendet hat. Somit ist der offene Brief auch eine umfassende Aufforderung an den französischen Nachbarn, sich seiner Kultur zu besinnen und den Weg zu den gemeinsamen Werten wiederzufinden. Werte, die den Kern der deutsch-französischen Freundschaft ausmachen, und die einst von den beiden Freunden geteilt wurden. Der offene Brief ist ein zur politischen Umkehr einladendes Schreiben an einen „verlorenen“ Freund und eine Liebeserklärung an ein in Bedrängnis geratenes Land zugleich. Obwohl rechtsradikale Bewegungen in den letzten Jahren auch in Deutschland immer größeren Zuspruch finden, ist das historische Ergebnis des Front national bei den französischen Präsidentschaftswahlen Ausdruck eines auf deutschem Boden unvorstellbaren, wenn auch nicht unmöglichen Aufstiegs der extremen Rechten. Die politische Gespaltenheit der Grande Nation als mehr oder weniger ausgeprägtes Phänomen der gesamten republikanischen Geschichte erreichte somit 2017 einen erneuten Höhepunkt, auch wenn eine Verschiebung der klassischen Lager nach rechts stattzufinden scheint, was die sogenannte Entteufelungs-Strategie Marine Le Pens fördert. Mit der Wahl des proeuropäischen Emmanuel Macron zum französischen Präsidenten ist allerdings ein vorübergehendes Aufatmen erlaubt. Es wird sich zeigen, ob sich die Gesamtheit der Franzosen der Werte, wie sie Manfred Flügge und sein französischer Freund einst teilten, wieder besinnen wird.

Der „Brief an einen französischen Freund“ erschien in deutscher Fassung als e-book im Rowohlt Verlag und, im französischen Original, in der von dem luxemburgischen Schriftsteller, Literaturkritiker, Publizisten und ehemaligen Direktor der Archives nationales de Luxembourg, Cornel Meder, herausgegebenen Revue culturelle et pédagogique du Centre culturelle Differdange, „Galerie“, in Luxemburg.

 

Manfred Flügge, geboren 1946 in Kolding (Dänemark), ist ein deutscher Schriftsteller, Literaturwissenschaftler und Übersetzer. Seit 1999 Mitglied des deutschen PEN-Zentrums, erhielt er u.a. folgende Auszeichnungen : 1994 das Alfred-Döblin-Stipendium, 1997 ein Stipendium der Villa Aurora in Los Angeles und des Stuttgarter Schriftstellerhauses, 2003 eine Gastdozentur an der Miami University in Oxford (Ohio), 2004 die Ehrung der Villa Départementale Marguerite Yourcenar im nordfranzösischen Saint-Jans-Cappel, 2014 in Dresden den Literaturpreis « Hommage à la France » der Stiftung Brigitte Schubert-Oustry sowie den Prix Jean Monnet du Dialogue Européen 2014 für seinen auf Französisch verfassten Essay „Le bleu des anges. Le rêve français de Heinrich Mann“ (Grasset, 2014). Er schrieb u.a. folgende Bücher: „Gesprungene Liebe. Die wahre Geschichte zu „Jules und Jim““, „Die Wiederkehr der Spieler. Tendenzen des französischen Romans nach Sartre“, „Wider Willen im Paradies. Deutsche Schriftsteller im Exil in Sanary-sur-Mer“, „Figaros Schicksal. Das Leben des Pierre-Augustin Caron de Beaumarchais“, „Heinrich Mann. Eine Biographie“, „Stéphane Hessel. Ein glücklicher Rebell“ und „Das Jahrhundert der Manns“.

Jeff Schinker, geboren 1985 in Luxemburg, studierte ab 2004 französische Literatur- und Sprachwissenschaft an der Universität Luxemburg und setzte den Studiengang an der Universität Paris-Sorbonne Paris IV fort. Dort erlangte er 2009 ein Master-Diplom in Vergleichender Literaturwissenschaft. Seit 2010 arbeitet er an einer Doktorarbeit mit dem Titel „Les mondes (im)possibles du roman contemporain“. Seit 2014 organisiert, moderiert und beteiligt sich Jeff Schinker unter dem Pseudonym Albert Moindre an der Lesereihe „Désoeuvrés – Work in Progress“ im Café Rocas in Luxemburg-Stadt. Darüber hinaus veröffentlicht Jeff Schinker Chroniken und Kulturrezensionen im Luxemburger Wort und im Tageblatt. 2016 nahm er an einer Autorenresidenz im Literarischen Colloquium in Berlin teil.

Interview mit Manfred Flügge, Jürgen Ritte und Jürgen König zum Wahlsieg Emmanuel Macrons

Kolumne zu Manfred Flügges „Brief an einen französischen Freund“

Organisiert vom Institut Pierre Werner in Zusammenarbeit mit der Kulturzeitschrift „Galerie“ und dem Cercle des Amis de Colpach und mit Unterstützung von neimënster.

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