12.07.2012
Abtei Neumünster - Luxembourg

Christian Kracht – Lesung und Gespräch mit Claude D. Conter

Christian Kracht – Lesung und Gespräch mit Claude D. Conter

Christian Kracht

Lesung und Gespräch mit Claude D. Conter

12.07.2012

 

Für den 2012 erschienenen Roman „Imperium“  (Kiepenheuer und Witsch) wählte Kracht das Leben des fränkischen Weltverbesserers August Engelhardt zum Vorbild für eine ebenso unterhaltsame wie komplexe Tour de Force durch die Geschichte des 20. Jahrhunderts. August Engelhardt reiste um 1900 in die Südsee und gründete an der dortigen Peripherie des deutschen Kolonialimperiums eine Kolonie von Kokosnussanbetern.

 

Christian Kracht liest aus seinem Roman Imperium.

Die verlorene Utopie von Sonne und Kokosnüsse

Zu Beginn des vorgetragenen Auszugs ist der Protagonist bereits auf der Insel Kabakon. Im wesentlichen handelte der Auszug vom Aufenthalt Max Lützows, einem Berliner Musiker, dessen Hypochondrie unter anderem von Siegmund Freud als unheilbar erklärt worden war. Daraufhin hatte Lützow entschieden, Vegetarier zu werden, um schließlich den Entschluss zu fassen, sich dem Sonnenorden anzuschließen.

 

 

Zunächst verläuft der Aufenthalt Lützows auf Kabakon harmonisch. Lützow, der ebenfalls seine Ernährung auf Kokosnuss beschränkt, scheint sobald von allen Krankheiten befreit. Zusammen mit Engelhardt verfassen sie Briefe, um für ihren Sonnenorden zu werben.

 

 

Die Resonanz auf das durch veröffentlichte Briefe bekannt gewordene “kommunistische Paradies” in der Heimat Deutschland ist zwiespältig. Die meisten erklären die beiden Insulaner für verrückt. Einige machen sich aber auf den Weg nach Kabakon, um sich dem Orden anzuschließen. Arm und in schlechter gesundheitlicher Verfassung kommen sie in der Hauptstadt Rabaul auf der Hauptinsel an. Engelhardt und Lützow reisen darauf hin nach Rabaul. Bei dem Aufenthalt auf Rabaul kommt es jedoch zum Zerwürfnis zwischen den beiden.

                 ..wobei das Publikum gespannt und amüsiert zuhörte.

Gespräch zwischen Christian Kracht und Claude D. Conter

Der unbegreifliche Erzähler

Zunächst fragte Claude Counter nach dem im Roman auftretenden „irritierenden Erzähler“, eine gar „seltsame Erzählinstanz“, der aber zugleich als auktorialer Erzähler dem Leser gegenüber autoritär sei.

Christian Kracht bezeichnet dies als durchaus richtige Deutung und fügt hinzu, dass bewusstes Einbinden von historisch falschen Details zu Irritationen führe und somit zu weitgehendem Infragestellen der Erzählfigur, die zwischen dem „Ich“, „Er“ und „Wir“ wechselt.

Claude Conter fragte weiter, ob es so etwas wie einen Kracht’schen literarischen Kosmos gebe, der sich durch die Verweise auf andere Literaten wie Thomas Mann, Heinrich Hesse und Franz Kafka zusammenstellen ließe?

Kracht entgegnete, dies seien zufällige Bezüge, die lediglich der Unterhaltung dienen sollen.

              Gespräch zwischen Claude D. Conter und Christian Kracht

 

Die Utopie, eine unmögliche und romanhafte Wirklichkeit

 Auf die Frage nach der Faszination an Engelhardt und der Motivation, über ihn zu schreiben, antwortet Kracht, ein Foto von Engelhardt und Lützow habe als erste Inspiration gedient, die dann zur die Geschichte über die Ideologie Engelhardts und somit zur Karikatur dieser führte.

Krachts allgemeine Begeisterung für Utopien fuße in den stets vorhandenen Begleiterscheinungen von Utopien: dem Irrsinn und der Krankheit. Der Einsatz des Ekels als Stilmittel diene dabei als ironisierende „Schutzmembran“ zwischen dem Erzählten und dem Autor. Gleichzeitig beschrieb der Autor die ihm lobend anerkannten stilistischen Leistungen als „Tricks“, denen er sich zum Ziele des ästhetischen Erzählens bediene. Schlussendlich wolle er nur unterhalten.

In Bezug auf eine Frage nach dem stets wiederkehrenden Motivs des an der Moderne leidenden Protagonisten bestätigte Kracht zynisch, dass er sämtliche Weiterentwicklungen der Zivilisation seit dem beginnenden 20. Jahrhundert bedaure.

 

Reger Gedankenaustausch zwischen Autor und Publikum

 

Nach der Veranstaltung signierte der Schriftsteller seine Werke

 

Pressespiegel

Radio 100,7 – Sendung Rendez-vous man Buch vom 14.7.2012: Bericht zur Lesung (auf Luxemburgisch)

 

 

Internetseite des Autors

...mehr zum Buch

 

Die Lesung wurde vom Institut Pierre Werner in Kooperation mit der Universität des Saarlandes und mit Unterstützung des Centre culturel de Rencontre de Neumünster veranstaltet

 

 

français - kontakt - impressum