30.11.1999

Olivier Roller

Olivier Roller

Die Moderatorin wandte sich dann an Olivier Roller, um dessen Meinung zur eingangs gestellten Frage zu erfahren, und bat ihn ferner auszuführen, warum er sich für die Anfertigung dieser Porträts von Machtmenschen entschieden habe.

Olivier Roller erklärte, dass Kunst in nicht-demokratischen Systemen paradoxerweise möglicherweise lebendiger sei, zumindest wenn es sich um regimekritische Kunst handle. In der Demokratie besteht die Gefahr, dass Kunst sich auf Dekoration beschränkt, was nicht deren Zweck ist.

Diane Krüger wollte hierauf wissen, welches Verhältnis Olivier Roller selbst zu den Menschen hat, die er porträtiert. Besteht nicht auch die Gefahr, dass er gleichsam zur Selbstdarstellung der Porträtierten „missbraucht“ wird?

Olivier Roller erklärte, Ziel seiner Porträts sei, das menschliche Antlitz der Macht zu zeigen. Er wehrt sich hier gegen die Darstellung der Macht als etwas Fernes und Anonymes („pouvoir lointain“). Roller fordert Menschen, die er für mächtig und einflussreich hält, dazu auf, in sein Studio zu kommen, und die meisten sagen zu. Der Fotograf verpflichtet sich jedoch dazu, die Fotografien nur in einem künstlerischen Rahmen, sprich in Ausstellungen, an die Öffentlichkeit zu bringen. Auf eine kurze Zwischenbemerkung Christian Mosars über den politischen Einfluss der fotografierten Persönlichkeiten, allen voran Bernard-Henri Levys, und über gelungene und nicht gelungene Selbstenthüllung bei Künstlern und Politikern sowie deren Folgen, antwortet Olivier Roller, dass, weit gefasst, im Grunde alle porträtierten Persönlichkeiten in irgendeiner Form politischen Einfluss ausüben, auch wenn die Politik meist nicht ihre Hauptaktivität darstellt. Diane Krüger bat Olivier Roller daraufhin, näher zu erläutern, wen man auf diesen Porträts genau sieht.

Für Olivier Roller ist die genaue Identität der dargestellten Personen nicht wichtig. Es geht ihm eher darum, Porträts von Menschen darzustellen, die Entscheidungen mit beeinflussen. Im Grunde soll man diese Porträts sogar eher als Masken sehen.

Zurück

 

français - kontakt - impressum