12.12.2017 um 19:00 Uhr
Abtei Neumünster, 28, rue Münster, Luxemburg-Grund

Edouard Louis – Lesung und Gespräch

Edouard Louis – Lesung und Gespräch

Edouard Louis

Lesung und Gespräch

Dienstag, 12. Dezember 2017
19 Uhr

Abtei Neumünster

In französischer Sprache

Eintritt: 10 € | 5 € | 1,50 € (Kulturpass)

Tickets: www.neimenster.lu / +352 26 20 52 444

 

Einer der wichtigsten französischen Autoren seiner Generation kommt nach Luxemburg, um am Institut Pierre Werner aus neuen, bisher noch unveröffentlichten Texten zu lesen und sich mit Gisèle Sapiro zu unterhalten.

Edouard Louis, 1992 als Eddy Bellegueule geboren, wuchs in der nordfranzösischen Region Picardie auf. Nach dem Besuch des Gymnasiums in Amiens, wo er auch Schauspielunterricht erhielt, ging er an die Université de Picardie, bevor er im Jahr 2011 sein Soziologiestudium an der Pariser ENS (Ecole Normale Supérieure) aufnahm. 2013 hat er den Sammelband „Pierre Bourdieu: L’insoumission en héritage“ (PUF) herausgegeben.

2014 erschien Louis’ literarisches Debüt, „En finir avec Eddy Bellegueule“ (Seuil) („Das Ende von Eddy“, S. Fischer, 2015), ein autobiografischer Roman, der ein breites und überschwängliches Presseecho erfuhr. Er erzählt von der Kindheit und Jugend der gleichnamigen Figur in einem kleinen Dorf in der Picardie, von den Zurückweisungen und Aggressionen, die Eddy wegen seiner weichen Art und weiblichen Allüren von den Dorfbewohnern und sogar von der eigenen Familie erfährt. Louis schildert auf schonungslose Art und Weise Gewalt und Erniedrigungen, denen Eddy täglich in einem radikal homophoben Umfeld ausgesetzt ist. Dieses Umfeld, in dem Armut und Alkohol die Menschen am sozialen Aufstieg hindern, sorgt dafür, dass Frauen ihr Studium aufgeben und Kassiererin werden und Männer die Schule abbrechen, um in der Fabrik zu arbeiten. Eddy Bellegueule hingegen wird sich bewusst, dass er sich zu Männern hingezogen fühlt, versucht aber, sich an die Normen seiner Umgebung anzupassen. Da ihm dies nicht gelingt, entscheidet er sich, den vorgegebenen Weg zu verlassen und auf das Gymnasium in Amiens zu fliehen. Hier trifft er das erste Mal in seinem Leben auf Schüler anderer sozialer Klassen und erlebt deren Umgangsformen. Der Weg nach Paris, wo er sich von seiner Herkunft lösen und schließlich zu seiner Homosexualität stehen kann, wird vorbereitet. Doch mit dem sozialen und akademischen Aufstieg in der Metropole ist ein neues Tabu verbunden. „Das Ende von Eddy“ ist die aufwühlende Geschichte einer doppelten Leugnung: Auf die Leugnung der Homosexualität in der Picardie folgt für Edouard die Leugnung seiner sozialen Herkunft vor den neuen bürgerlichen Freunden in Paris.

2014 wurde „Das Ende von Eddy“ mit dem „Prix Pierre Guénin contre l’homophobie et pour l’égalité des droits“ ausgezeichnet. Nur ein Jahr später hat die französischen Zeitschrift „Les Inrockuptibles“ Edouard Louis in die Liste der hundert einflussreichsten zeitgenössischen Künstler aufgenommen.

2016 erschien Louis’ zweiter Roman, „Histoire de la violence“ („Im Herzen der Gewalt“), der mit „En finir avec Eddy Bellegueule“ eine Art autobiografisches Diptychon bildet. Im Roman wird die Vergewaltigung geschildert, die Edouard Louis in der Weihnachtsnacht nach einem Abendessen mit seinen Freunden erlitten hat. Auf dem Nachhauseweg lernt er Reda kennen, einen jungen Kabylen, den er nach einem Gespräch auf der Straße zu sich in die Wohnung einlädt. Was zunächst nach einer zärtlichen Liebesnacht aussieht, eskaliert dramatisch: Mit vorgehaltener Pistole wird er von Reda vergewaltigt. Im Mittelpunkt des Romans stehen die Ursachen und Auswirkungen dieser Gewalt, Schilderungen der medizinischen Untersuchungen, die Anzeige bei der Polizei, die Gespräche mit Freunden und Verwandten sowie Reflexionen über die Geschichte und das Schicksal seines Peinigers Reda. Der Roman wird aus der Perspektive von Edouard erzählt, der allerdings auch berichtet, wie seine Schwester Clara ihrem Mann von den Ereignissen erzählt. Heimlich belauscht Edouard das Gespräch seiner Schwester und seines Schwagers und kommentiert dieses. So erfährt der Leser auf mehreren erzählerischen Ebenen nicht nur von den Ereignissen der lebensgefährlichen Nacht, sondern auch von rassistischen Wahrnehmungsmustern, die der Erzähler nicht nur bei seiner Schwester oder der Polizei beobachtet, sondern auch bei sich selbst. „Im Herzen der Gewalt“ ist somit ein persönliches und gleichzeitig zutiefst politisches Buch, das literarische und politische Debatten in zahllosen Ländern angestoßen hat.

Pressestimmen

Artikel vom Spiegel, The Guardian und Le Monde

 

Organisiert vom Institut Pierre Werner

Mit der Unterstützung von neimënster

 

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