06.11.2012 um 18:30 Uhr
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György Konrád – Lesung und Gespräch mit Manfred Sapper

György Konrád – Lesung und Gespräch mit Manfred Sapper

György Konrád

Literarisches Gespräch mit dem Politikwissenschaftler und Journalisten Manfred Sapper und Lesung aus dem neuen Buch von György Konrád Über Juden (Suhrkamp, Berlin, 2012)

Dienstag, 6. November 2012

György Konrád ist ein Schriftsteller der europäischen Kultur, der Freiheit und der Verantwortung des Menschen. Er gehört zu den wichtigsten zeitgenossischen Romanautoren und Publizisten. Im Jahr 2001 wurde ihm der Internationale Karlspreis in Aachen verliehen. Er ist auch Träger des Herderpreises, des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels und des Franz-Werfel-Menschenrechtspreises. 

 

»Das Dasein ist für den Juden eine zu heiligende Aufgabe, kein Provisorium, sondern ein auszufüllender Rahmen, eine Herausforderung, auf die wir mit all unserem Wissen antworten müssen.«

 

»Worin besteht dein Judentum, wenn es sich dabei um keine Religion und keine traditionelle Gemeinschaft handelt?« Diese Frage seines Schriftstellerkollegen Amoz Oz bezeichnet den Urgrund einer Untersuchung in Essays, mit denen György Konrád nach allen Seiten des Judentums Ausschau hält: nach Wurzeln des Jüdischen, nach familiären Erinnerungsdepots, nach der Bedeutung von Gemeinschaft als Lebensstrategie, nach dem Ort des absoluten Verbrechens in Auschwitz, nach einem Weltvolk in Nationalstaaten, aber auch nach den charakteristischen Tugenden und Fehlern des Judentums.
Es wäre kein Konrádsches Buch ohne den zugleich melancholisch gefärbten und doch ruhig-hoffnungsvollen Blick über das Kreisen der Reflexionen hinaus. Auf Personen, Orten und Stätten ruht dieser Blick, in denen jüdisches Erbe fortlebt: im Bannkreis der Weltstadt so gut wie in der intimen Provinz eines heimatlichen Dorfes oder eines vertrauten Herzens.

 

Biografie:

György Konrád wurde am 2. April 1933 als Sohn einer jüdischen Familie in der Nähe der Stadt Debrecen in Ungarn geboren.
Nachdem er im 1944 nur knapp einer Deportation ins Konzentrationslager Ausschwitz durch die Nationalsozialisten entkommt, flieht er mit seinen Geschwistern zu Verwandten nach Budapest. Die Ereignisse dieser Jahre, die er unter dem Schutz der Helvetischen Konföderation lebt, beschreibt er in den Büchern Heimkehr (Suhrkamp 1988) und Glück (Suhrkamp 1988).
Bis zum Ungarnaufstand 1956 studiert Konrád in Budapest Literaturwissenschaft, Soziologie und Psychologie. Neben seiner Arbeit als Jugenschutzinspektor von 1959 bis 1965 publiziert György Konrád erste Essays.

Ab 1965 stellt ihn das Budapester Institut und Planungsbüro als Soziologen für Städtebau ein. Nach dem großen Erfolg seines Romandebüts Der Besucher  (Luchterhand 1969) konzentriert er sich auf sein Dasein als Schriftsteller. In seinen Essays plädierte er für ein friedliches Osteuropa, das die Grenzen zwischen Ost und West überwinden solle. Während seines Publikationsverbotes von 1978 bis 1989 unternimmt er Reisen durch Westeuropa, Amerika und Australien.

 

 

 

Manfred Sapper, 1962 in Kassel geboren, studierte in Frankfurt, Siena und Moskau Politikwissenschaft, Geschichte und Soziologie. An seine Promotion zum Thema „Die Auswirkungen des Afghanistankriegs auf die Sowjetgesellschaft“ schloss sich seine, mit dem Landeslehrpreis 1999 ausgezeichnete, Lehrtätigkeit an der Universität Mannheim, sowie seit 2002 der Chefredakteursposten der Zeitschrift „Osteuropa“ an.

 

 

Organisiert vom Institut Pierre Werner mit der Unterstützung des CCRN

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