08.06.2011

Festivals, Kultur und Territorien in Lothringen und in der Großregion – Bericht (3)

Festivals, Kultur und Territorien in Lothringen und in der Großregion – Bericht (3)

Die zweite Arbeitssitzung „Territorialisierung und Deterritorialisierung der Festivals“ wurde von Dunia Sinno vom luxemburgischen Kulturministerium geleitet. Fabrice Montebello, Ästhetikprofessor, Universität Paul Verlaine Metz, präsentierte zusammen mit Nolwen Le Minez, Doktor der Soziologie, das Festival der Migration, Kultur und Bürgerschaft von Luxemburg. Laut Fabrice Montebello haben die Festivals von Villerupt, Fameck und Luxemburg gemeinsame Punkte, besonders weil sie alle drei Produkte der Zuwanderung und der lokalen Industriekultur sind. Die Hauptthese seines Vortrags war, dass alle drei Festivals Ausdrucks- und Übertragungsorte politischer Werte geworden sind.

Anschließend präsentierte Nolwen le Minez das Festival der Migration, Kultur und Bürgerschaft mehr im Detail. Dieses Festival wurde 1981 von der ASTI gegründet (Verein zur Unterstützung der ausländischen Arbeitnehmer) und wurde dann vom CLAE (Verbindungskomitee für ausländische Vereinigungen) übernommen. Im März versammelt dieses Festival in der Luxexpo Verein- und Kochstände, Diskussionen, Vorstellungen, eine Büchermesse, usw. Das Festival ist sowohl interkulturell als auch interdisziplinär. Es entstand aus politischen Gründen: das Wahlrecht für die Ausländer sollte erzielt werden. Heute gehört das Wahlrecht für die Ausländer nicht mehr zu den Motiven des Festivals. Seine Programmaufstellung wird immer vielfältiger und das Festival immer mehr zu einer festen Einrichtung.

Am Ende fasste Dunia Sinno die Hauptaufgaben der drei erwähnten Festivals zusammen: die Integration, die Stärkung des interkulturellen Dialogs und die Förderung der Anerkennung der Bürgerrechte. Das luxemburgische Festival war zunächst das politisch Motivierteste. Die anderen zwei haben sich besonders für die Anerkennung der Migranten auf ihrem eigenen Territorium beschäftigt. Anschließend erwähnte sie die Erweiterung des Festivals von Villerupt mit der Kulturfabrik von Esch/Alzette im Kinoschsaal und stellte die Frage, ob eine Erweiterung der zwei anderen Festivals geplant sei.

Am Ende des Morgens kam schlussendlich das EIREST-Team zu Wort. Edith Fagnoni , Dozentin für Geografie an der Universität Paris I, definierte zunächst das Territorium. Unter dem Begriff Territorium versteht man die Aneignung eines Raumes sowie eine gesellschaftliche Konstruktion.  Das Team trug die Verbindungen, die zwischen einem Territorium und einem Festival existieren, anhand des Festivals von Épinal, des Festivals von Longwy und dessen von Saint-Dié-des-Vosges.

Saint-Dié-des-Vosges empfängt jedes Jahr das internationale Geografiefestival, das 1989 entstanden ist und ertstmals im Jahr fand 1990 stattfand. Pro Jahr kommen rund 40.000 und 50.000 Besucher. Seit einigen Jahren entwickelt sich das Festival weiter, um ein breiteres Publikum als allein das der Geografen zu erreichen. Die Veranstaltungsorte vermehren sich innerhalb der Stadt, da der Stadtkern nicht über eine geeignete Einrichtung für die Veranstaltungen verfügt. Diese Streuung ermöglicht hinsichtlich der Sicherheit eine bessere Mobilität und die Einbindung von Arbeitervierteln. Im Laufe der Zeit hat sich das Festival auf mehrere kleinere Städte ausgebreitet. Es kam nicht zu einer Verlagerung, sondern zu einer Vervielfältigung der Veranstaltungen als Antwort auf geäußerte Wünsche.

Der venezianische Karneval von Longwy verfolgt die gleichen Ziele, und zwar die Bevölkerung zusammen zu bringen und Longwy außerhalb seines Großraums bekannt zu machen. Der Karneval wird von der Gemeindeverwaltung Longwy getragen. Während dreier Tage beleben Lesungen, Treffen um das Thema der italienischen Zuwanderung, Ausstellungen, Barockmusik und Straßentheater die Stadt. Der Karneval wird auf kommunaler Ebene organisiert. Da die Gemeinde Longwy seit den letzten Wahlen von einer konservativen Partei regiert wird, wollten die umliegenden Gemeinden sich dem Karneval nicht anschließen. Es kam also die Idee auf, mit Vereinigungen zu arbeiten, die neutral sind. Auf diese Weise konnte der Sankt- Nikolaus-Umzug als interkommunale Veranstaltung stattfinden. Die Spaltung zwischen Longwy-Haut und Longwy-Bas stellt ein weiteres Problem dar. Das territoriale Wiederzusammensetzungsprojekt plant folglich, das städtische Emailmuseum sowie das Festival in die Unterstadt zu verlagern.

Als Schlussfolgerung fasste Dunia Sinno anhand der erwähnten Festivalbeispiele die Verbindungen, die zwischen einem Territorium und einem Festival existieren können, zusammen. Das wissenschaftliche Festival von Saint-Diédes-Vosges hat einen großen Einfluss auf die Nachbargemeinden, besonders auf ihre Wirtschaft. Das Festival von Longwy funktioniert seinerseits dank seinen politischen Zielen und dem Engagement der Leute vor Ort.

zurück

 

 

 

français - kontakt - impressum