19.09.2017 um 20:00 Uhr
Saal R. Krieps, Abtei Neumünster, 28 rue Münster, Luxembourg-Grund

„Délivrance“ von Marie NDiaye

„Délivrance“ von Marie NDiaye

„Délivrance“ von Marie NDiaye

Inszenierung von Denis Cointe

In Anwesenheit von Marie NDiaye und Jean-Yves Cendrey

Theatervorführung

Dienstag, 19. September
20:00 Uhr
Abtei Neumünster

In französischer Sprache

20€ | 10€ | 1,50€ (Kulturpass)

Tickets: www.neimenster.lu / +352 26 20 52-444

 

Ein Mann betätigt ein Tonbandgerät, die aufgenommene Stimme eines anderen Mannes ist zu hören, der Briefe an eine abwesende Frau schickt. Briefe, die nie beantwortet werden. Ein dritter Mann schlägt auf Leder, auf ein Becken. Wir sind ins Halbdunkel getaucht, eine Atmosphäre, die die sich von unruhiger, übereifernder Wut hin zu einer sanften und gleichzeitig glühenden Akzeptanz allen Geschehens steigernde Entwicklung begünstigt. Eine innere Odyssee, die jeden Zuschauer einlädt, sich selbst zu verlieren – Einladung in einen der Begegnung förderlichen Zustand. In seinem vorherigen Werk hatte Denis Cointe Marie NDiaye gebeten, ihren selbstverfassten Text auf der Bühne vorzulesen. Diesmal vertraut er das Lesen der Briefe der Stimme ihres Lebensgefährten an, dem Schriftsteller Jean-Yves Cendrey. Dessen einzigartige und unsichtbare Verbindung mit den Texten seiner Lebensgefährtin wird zur dramatischen Intensität dieser einmaligen künstlerischen Darbietung beitragen. Im Echo vernehmbar, wird das lautliche Material von Didier Lasserre die poetische Dimension des Projektes erhöhen.

„Der Himmel hat sich heute aufgehellt und meine Pein ist verschwunden mit diesen Wolken, die so schwarz waren und so tief hingen, dass es mir schien, der Tag selbst würde niemals wiederkehren, ich sei dazu verdammt, eine ewige Nacht zu ertragen.“ Marie NDiaye

Mit „Délivrance“ erneuern Denis Cointe und Marie NDiaye ihre seit der Performance „Die Dichte“ von 2011 bestehenden Zusammenarbeit. Auf der Bühne hört man die Stimme Jean-Yves Cendreys, Schriftsteller und Lebensgefährte der Autorin, der das Geschriebene vorliest. Seine einprägsame Stimme breitet sich in einer lautlich (Denis Cointe), musikalisch (Didier Lasserre) und visuell (Raphaël Sevet) gestalteten (Geräusch)kulisse aus. Délivrance – eine hybride Bühnenform zwischen Theater, Performance und Installation.

Im Anschluss an die Vorstellung wird eine Gesprächsrunde mit Marie NDiaye und Jean-Yves Cendrey über ihr Werk und ihre Auswanderung nach Deutschland stattfinden.

Marie NDiaye ist eine im französischen Pithiviers (Loiret) geborene und in Berlin lebende Schriftstellerin, die bereits im Alter von 12-13 Jahren begann, Romane zu schreiben und gerade einmal 18 Jahre alt war, als ihr erstes Buch veröffentlicht wurde. Sie war Stipendiatin der Académie de France, dank der sie ein Jahr lang in der Villa Médicis in Rom verbrachte. Mit ihrem Ehemann Jean-Yves Cendrey hat sie 2007 eine Reihe bestehend aus drei Theaterstücken geschrieben, die den Titel „Puzzle“ trägt. 2001 bekam Marie NDiaye den Femina-Preis für ihren Roman „Rosie Carpe“ verliehen, ihr Theaterstück „Papa doit manger gehört längst zum Repertoire der Comédie-Française. Für ihren Roman „Trois femmes puissantes“ erhielt sie 2009 den renommiertesten französischen Literaturpreis, den Prix Goncourt, und den Internationalen Literaturpreis in Deutschland. Mit ihrem jüngsten Werk, „La cheffe, roman d’une cuisinière“ (Gallimard, Oktober 2016), würdigt sie die Kochkunst.

Jean-Yves Cendrey, geboren in der französischen Kleinstadt Nevers, ist Schriftsteller, schreibt für Theater, Radio und Kino. Nachdem er an den unterschiedlichsten Orten wohnte – erst allein, dann mit seiner Frau Marie NDiaye und seinen Kindern – lebt er aktuell in Berlin. 1988 erschien sein erster Roman „Principe du cochon“, dem etwa 15 weitere folgten, hauptsächlich in den Verlagen P.O.L und später L’Olivier. Kürzlich bei Actes Sud erschienen sind: „Honecker 21“ (2009), „Mélancolie vandale (2012) und „Schproum“ (2013).

Denis Cointe ist ein in Bordeaux lebender plastischer Künstler, Regisseur und Produzent. Seine Arbeit ist geprägt durch eine Mischung aus visueller und darstellender Kunst, sein Werk nimmt Formen von Bühnenshow und Performance mit Videoinstallationen an. Seit einigen Jahren widmet er sich ebenfalls dem Dokumentarfilm und Tonformaten. Denis Cointe arbeitet regelmäßig mit Künstlern aus den Bereichen Literatur und Musik zusammen, seine intensive Zusammenarbeit mit der Schriftstellerin Marie NDiaye begann 2008. Durch die Anwendung weniger Techniken gelingt es Denis Cointe, sich auf eine Spurensuche zu begeben, eine Suche in Erinnerungen und nach dem Abwesenden. 2009 gründete er das Künstlerkollektiv TRANSLATION.

Didier Lasserre ist Schlagzeuger und lebt in Bordeaux. Im Alter von 16 Jahren fängt er an zu spielen, um etwas anderes für sich zu entdecken. Nach der Grundausbildung in der lokalen Musikschule entwickelt er als Autodidakt seinen eigenen Stil, ausgerichtet auf einen persönlichen, mitunter poetischen Zugang zum Instrument. Seine so entstandene einzigartige Art zu spielen ist auf seine extreme Konzentration und seine Beschränkung auf ein minimalistisches Schlagzeug zurückzuführen und findet Eingang in die Kunst, die Poesie, den Tanz, die Bildhauerei und die Fotografie.


Pressespiegel

Interviews mit Marie NDiaye im Tageblatt und im Luxemburger Wort

Der Radiosender 100,7 im Gespräch mit der Schriftstellerin


Eindrücke vom Abend mit Marie NDiaye, Jean-Yves Cendrey und Denis Cointe (das komplette Video zur Veranstaltung finden Sie in der Mediathek):

Organisiert vom Institut Pierre Werner

mit Unterstützung von neimënster, l’Office Artistique de la Région Aquitaine – OARA, la Ville de Bordeaux, DRAC Nouvelle-Aquitaine, CNES La Chartreuse, Ouïe/Dire.

 

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