25.10.2018 um 19:00 Uhr
Abtei Neumünster, 28, rue Münster, Luxemburg-Grund

Chateaubriand – Vortrag von Jean-Marie Roulin

Chateaubriand – Vortrag von Jean-Marie Roulin

Chateaubriand

Vortrag

von Jean-Marie Roulin (Université de St-Etienne)

Donnerstag, 25. Oktober 2018
19:00

Abtei Neumünster

Auf Französisch

Eintritt 10 € | 5 € | 1,50 € (Kulturpass)

Tickets: www.neimenster.lu

 

Chateaubriand wurde 1768 in Saint-Malo, während der Regierung Ludwigs XV, in der feudal geprägten Bretagne geboren. Gestorben ist er im Juli 1848, konnte also noch die französische Februarrevolution, den Juniaufstand, aber auch dessen Niederschlagung miterleben. Zeit seines Lebens war Chateaubriand Zeuge fundamentaler politischer Umbrüche.

Als er mit 18 Jahren die Bretagne verließ, bereiste er die Welt und sammelte Eindrücke und Erfahrungen: Er erlebte das revolutionäre Paris, sah die Indianer von Niagara, die Elendsviertel von London, zwei Mal Rom, die Krähen auf der Akropolis und die Mauern von Jerusalem. Neben seinen Reisen ist es ihm gelungen, zum größten Schriftsteller seiner Generation zu werden. Er ist das erste „Kind des Jahrhunderts“, das während der Restauration in die Politik ging und sie später nicht mehr verließ. Dabei hat er sich allen Hindernissen gestellt, ohne jemals sein Ideal von aristokratischer Freiheit zu verleugnen, das Tradition und Fortschritt, königliche Legitimation und Bürgertum sowie das doppelte Vermächtnis des Ancien Régime und der Revolution vereint. Für seine Zeitgenossen blieb Chateaubriand damit durchaus immer auch ein Rätsel.

In seinem Vortrag am IPW rekonstruiert Jean-Marie Roulin diesen komplexen Lebensweg und knüpft Verbindungen zwischen dem literarischen Genie, seinem Liebesleben und den politischen Leidenschaften dieser großen Persönlichkeit. So zeichnet sich ein moralisches Porträt voller Gegensätze ab: zwischen dem guten Jungen und dem aufmüpfigen Hochadeligen; dem unwiderstehlichen Verführer und treuen Verehrer der Juliette Récamier; dem melancholischen und zärtlichen Dichter und dem bissigen Polemiker. Dieses einzigartige Schicksal hat Chateaubriand selbst bereits in seinen „Memoiren“ zu stilisieren versucht und der Abend am IPW zeigt nun darin unvorhersehbare und verborgene Zufälligkeiten auf – um nicht zu sagen: den geheimnisvollen Charme von Chateaubriand.

 

Jean-Marie Roulin, Professor an der Universität Saint-Etienne, ist u.a. Experte für französische Romantik, Benjamin Constant und Germaine de Staël, Direktor des Redaktionsausschusses für das Nachrichtenblatt der Société Chateaubriand sowie der Reihe „Lire Chateaubriand“ des Verlags Classiques Garnier.

 

Organisiert vom Institut Pierre Werner

mit Unterstützung von neimënster.

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